Archive November 2012

Mitbestimmung, ja sicher – aber wie?

Mitbestimmung, ja sicher – aber wie?

Partizipation für Jugendliche: Sie soll ins Wahlprogramm der SPD / Partei und Jusos suchen den Dialog

Das Podium: Julian Frohloff, Pascal Kuhfus, Dr. Georg Robra, Horst Heining, Andreas Rödel und Christa Kollmeier (v. l., bis auf den Dezernenten Robra alle SPD) suchen nach Wegen, wie Mitbestimmung Jugendlicher in Kommune und Politik aussehen könnte. FOTO: RALF BITTNER

VON RALF BITTNER
Herford. Das Ziel, das die SPD bis zum Kommunalwahlkampf 2014 in ihr Wahlprogramm aufnehmen möchte, scheint eigentlich ganz einfach, nämlich „Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Prozessen“. Eine erste Diskussionsrunde im Jugendzentrum die 9 brachte vor allem eines: weiteren Diskussionsbedarf.

Ähnlich dem Bürger-Dialog, soll das Programm im Miteinander der Betroffenen und Menschen, die in der Jugendarbeit tätig sind, entstehen. Julian Frohloff (SPD) erinnerte an die Debatte um die Sperrung des Schulhofs Meierfeld, wo es zwar einen Klärungsversuch zwischen jugendlichen Nutzern und lärmgeplagten Anwohnern gegeben habe, sich am Ende aber die Mächtigen, in diesem Falle die Erwachsenen, durchgesetzt hätten.

Jugend-Dezernent Dr. Georg Robra warf grundsätzliche Fragen auf: „Es muss geklärt werden, wie Jugendliche, Politik und Verwaltung ins Gespräch kommen.“ Ein anderes Problem sei es, dass sich oft nur Jugendliche aus bürgerlichen Familien engagieren. Und wie das Beispiel der Mittelstreichung für das Fla zeige, bedeute ein Gespräch nicht automatisch, dass sich auch eine einvernehmliche Lösung finden lasse.

Horst Heining, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat und Mitglied im Jugendausschuss, bezweifelte, dass die bestehenden kommunalen Strukturen überhaupt geeignet seien, um Jugendlichen eine Mitbestimmung zu ermöglichen: „Glauben Sie und wollen wir, dass Kinder etwa über den Haushalt mitdiskutieren können?“ Außerdem hegt er Zweifel daran, dass Schule trotz aller Bemühungen wirklich vermittele, welche Chancen eine Mitbestimmung biete.

Praktiker wie Claudia Griese (Jugendzentrum die 9) glauben, dass Kinder sich dann engagieren, wenn das Thema sie unmittelbar betrifft und erinnerte an die Beteiligung von Kindern bei der Gestaltung von Spielplätzen: „Wichtig ist aber, dass etwas passiert. Wenn die Kinder sich einen Dschungel wünschen, dann müssen sich die zuständigen Mitarbeiter auch auf die Suche nach passenden Spielgeräten machen.“

Ein missglücktes Beispiel sei das Beteiligungsprojekt im Kleinen Feld. Über Jahre hätten sich Bürger, Kinder und Jugendliche – selbst sonst nur schwer zu erreichende Menschen mit Migrationshintergrund – mit ihren Ideen eingebracht, und dann sei nichts passiert. „Wenn so etwas ein paar Mal passiert, machen die Jugendlichen nie wieder mit“, warnte Daniela Menke vom Stadtjugendring. Marcel Köditz, Streetworker im Kleinen Feld, warnte davor, Sozialarbeiter nur noch dazu einzusetzen, um „für Ruhe zu sorgen“.

Umstritten war der Sinn von Schüler- oder Jugendparlamenten. Lennart Domnick vom Vlothoer Jugendparlament berichtete von seinen Erfahrungen. Sinn mache das nur, wenn so ein Parlament kein Alibi sei, sondern in bestimmten Bereichen mitreden und eigene Projekte umsetzen könne: „Ohne einen eigenen Haushalt, aus dem die Projekte finanziert werden können, oder einen mindestens beratenden Sitz im zuständigen Ausschuss geht das nicht.“ Andere Vorschläge gingen dahin, Schulen stärker einzubinden. „In der Schule könnten Abstimmungen organisiert und die Themen im Unterricht behandelt werden“, schlug Shamail Shahid Qureshi (Jusos) vor. Andreas Rödel (SPD und Sozialarbeiter) setzte sich für die Schaffung „pädagogikfreier Räume“ ein, in den Jugendliche eigene Erfahrungen machen und Ideen entwickeln können.

Zwischen jugendlicher Selbstorganisation und Einbindung in die Strukturen der Kommunalpolitik liegen Welten und unzählige Möglichkeiten – und vor der SPD sicher noch die ein oder andere Diskussion.

© 2012 Neue Westfälische
09 – Herford, Montag 26. November 2012

Ein Weihnachtsbaum auf Wanderschaft……

…deine Wünsche an die Jusos Herford.

Egal, was Dir am Herzen liegt und mit welcher Idee Du Herford besser machen willst: Lasst uns gemeinsam die besten Lösungen suchen. Wir können nichts versprechen, aber wir wollen mir Dir über deine Wünsche für Herford diskutieren. Deine Wünsche und Anregungen kannst du uns mit dem unten stehenden Formular zukommen lassen.

Unser Weihnachtsbaum auf Wanderschaft befindet sich jede Adventswoche in einem der vier Herforder Jugendzentren („Die 9“, Punch, FlaFla & Jugendzentrum Tott). Die genauen Termine werden in der nächsten Woche bekannt gegeben.

Hier geht es zum Formular

SPD lädt zum Dialog über Kinder- und Jugendpartizipation in der Stadt Herford

Herford. Ähnlich dem Bürger-Dialog der SPD im Bund möchte die SPD Herford in einen Dialog mit Vertretern der Jugendzentren, der Schulen und der Wohlfahrtsverbände treten um mit ihnen über Kinder- und Jugendpartizipation in der Stadt Herford zu sprechen.

„Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Prozessen beschäftigt uns schon länger. In Herford sind auch schon viele verschiedene Projekte angestoßen worden“, so Pascal Kuhfus, der Vorsitzender der Herforder Jusos, der Jugendorganisation der SPD.

Die Jusos und die SPD Herford wollen nun gemeinsam mit Betroffenen und Interessierten ein Konzept für eine funktionierende Kinder- und Jugendpartizipation in Herford erarbeiten, welches Teil des Wahlprogrammes der SPD zur Kommunalwahl 2014 werden soll.

„Wir laden alle Interessierten am Freitag, den 23. November von 18 bis 20 Uhr in das Jugendzentrum „Die 9“, Auf der Freiheit 9, 32051 Herford, ein mit uns zu diskutieren“, so Christa Kollmeier, SPD-Stadtverbandsvorsitzende.

Eine vorherige Anmeldung ist nicht zwingend notwendig, wäre aber erwünscht. Anmeldungen unter info@julian-frohloff.de.

Die derzeitige Situation der Kinder- und Jugendpartizipation in Herford wird Sozialdezernent Dr. Robra in Form eines kurzen Impules erläutern. Gemeinsam mit dem stellv. Bürgermeister Andreas Rödel und dem Jugendhilfeausschussvorsitzenden Horst Heining steht er auf dem Podium als Diskutant zur Verfügung.