Der Altbürgermeister und Hochschulrektor starb in der Silvesternacht

VON HARTMUT BRAUN

ErstarbnachschwererKrankheit: Altbürgermeister Professor Dr. Gerhard Klippstein wurde nur 64 Jahre alt. FOTO:DUNKEL
Er starb nach schwerer Krankheit: Altbürgermeister Professor Dr. Gerhard Klippstein wurde nur 64 Jahre alt. FOTO:DUNKEL

Herford. Als Fachleiter und Schulleiter war er Vordenker des kaufmännischen Bildungswesens. Als Bürgermeister betrieb er die Modernisierung seiner Stadt. Als Gründungsrektor baute er mit großem Erfolg eine Privathochschule auf. Im Ehrenamt stellte er sich dem Sport zur Verfügung. Doch ein Ruhestand blieb ihm verwehrt: Nach schwerer Krankheit ist Professor Dr. Gerhard Klippstein gestorben.

Das Ende kam nach kurzer schwerer Krankheit an Silvester in einem Bielefelder Krankenhaus im Alter von 64 Jahren – zwei Jahre nach dem Tod seiner geliebten Frau Ellen.

Er hatte nach langer Trauer noch einmal geheiratet, sich neue berufliche und private Ziele gesetzt – ein 64-Jähriger, dessen freundliche Zuwendung und menschliche Wärme so geschätzt waren wie sein soziales Empfinden und die Fülle seiner Erfahrungen und Kontakte, die er freigiebig und selbstlos zur Verfügung stellte.

In kleinen Verhältnissen in Mannheim aufgewachsen, hatte der bekennende Fußballfan (des SV Waldhof) sich nach dem Abitur für ein wirtschaftswissenschaftlich-pädagogisches Studium und für die politische Mitarbeit in der SPD entschieden: 1970, ein Jahr nach der Wahl Willy Brandts zum Bundeskanzler, trat er in die Partei ein.

In Herford, wohin die Liebe den jungen Lehrer aus dem Badischen 1972 verschlug, wurden seine Stärken rasch erkannt. Die SPD wählte ihn 1975 zum Stadtverbandsvorsitzenden (er blieb es annähernd 20 Jahre) und schickte ihn im gleichen Jahr in den Stadtrat.

Die Schulaufsicht gewann ihn als Fachleiter sowie für Lehrplangestaltung und Lehrerausbildung. Viele sagten ihm eine Karriere in der Kultusbürokratie voraus.

Doch er entschied sich für die Kommunalpolitik. 1984 wählte die „rot-grüne“ Ratsmehrheit den 39-Jährigen zum Bürgermeister; fünf Jahre später wurde er von einer sozialliberalen Mehrheit im Amt bestätigt.

Längst hatte sich der sozialdemokratische Volkswirt auf dem Bürgermeisterstuhl als Mann des Ausgleichs bewährt, der die Verwaltung modernisierte, viel in die Innenstadt investierte und eine unauffällige, aber erfolgreiche Wirtschaftsförderung mit Schwerpunkt Bestandspflege betrieb. In seine Amtszeit fielen so unterschiedliche Projekte wie die Gründung der Gesamtschule, die Umgestaltung von Neuer Markt und Münsterkirchplatz und das Modell-Industriegebiet Heidsiek.

1994 wurde er der erste hauptamtliche Bürgermeister nach neuer Gemeindeordnung. Er war es, der das Zukunftsprojekt „Haus des Möbels“ auf den Weg brachte, aus dem das MARTa entstand.

Als die Wähler ihrem fachlich hoch geschätzten, aber nie populistischen Bürgermeister 1999 beim Erdrutschsieg der CDU die Wiederwahl verwehrten, war Klippstein gerade 54 Jahre alt. Doch er fand rasch eine neue Herausforderung, die ihn zu den pädagogischen Wurzeln seiner Laufbahn zurück führte: Auf Bitten ostwestfälischer Mittelständler übernahm er das Amt des Gründungsrektors der ostwestfälischen Fachhochschule des Mittelstands (FHM).

Für die FHM war er nach allgemeiner Ansicht mit seinen Kontakten, seiner Dynamik und seinen Erfahrungen ein Glücksfall. Es gelang ihm, die neue Hochschule in der Bildungslandschaft rasch zu etablieren. Auch als Lehrender war er hoch geschätzt.

Seiner Wahlheimat Herford blieb er auf dem sportlichen Sektor verbunden: Der Sportclub Herford (SCH) gewann ihn als Vorsitzenden. Auch der Arbeit des Kreissportbunds drückte er seinen Stempel auf (siehe Bericht im Lokalsport).

Es gibt viele Menschen, die Professor Klippstein viel zu verdanken haben.

DasWohlderStadtmehren: AlterspräsidentHermannMidding (Mitte, rechts Beigeordneter Dr.MaxWillebrand) vereidigtimStadtrat Klippsteinam4.November 1994 als ersten hauptamtlichen Bürgermeister.
Das Wohlder Stadt mehren: Alterspräsident Hermann Midding (Mitte, rechts Beigeordneter Dr. Max Willebrand) vereidigt im Stadtrat Klippstein am 4. November 1994 als ersten hauptamtlichen Bürgermeister.

NW 04.01.2010

Trauer um Gerhard Klippstein
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