Die Juso-AG meldet sich wieder zu Wort

VON HARTMUT BRANDTMANN

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Herford. Ideologie ist doch kein Unwort. „Man muss wissen, wo man steht“, sagt Pascal Kuhfus. Der 18-jährige Friedrichs-Gymnasiast stand im Lager der Linken. „Zu dogmatisch“, fand er heraus und schloss sich der Juso-AG an. Die hat ihren Vorstand neu gewählt und sich neu aufgestellt.

Drei Jahre lang gab es sie gar nicht mehr. Seit 2008 spürt der neue Vorsitzende Julian Frohloff (21) „neuen Wind“, der auch in der SPD wahrgenommen werde. „Man braucht uns nicht nur zum Wahlplakate-Kleben. Wir gestalten mit.“ Zwei Jusos arbeiten als sachkundige Bürger, Frohloff selber hat es in den Rat geschafft. Seinen Wahlbezirk (Mindener Straße /Ortsieker Weg) hatte er mit einem Abstand von zehn Prozent direkt geholt gegen eine gleichaltrige Christdemokratin.

Pascal muss sich mitunter in seiner Jahrgangsstufe positionieren: „Die Einen finden toll, was ich mache, die anderen halten mich für einen verrückten Linken.“ Er will die Kritiker „nicht belehren, sondern überzeugen.“ Auch mit Blick auf die Mutter SPD will er durch gute Arbeit überzeugen und für seine Ideale einstehen. Dabei darf der Blick auch über den kommunalpolitischen Tellerrand gehen. Im Februar vergangenen Jahres trat die Juso-AG mit einer bemerkenswerten Veranstaltung an die Öffentlichkeit: Im damaligen „Nil“ stritten Mitglieder der jüdischen Gemeinde mit Palästinensern um Moral und völkerrechtliche Fragen. Anlass war der Gaza-Krieg. Im Anschluss ließen sich zwei junge Leute in die Juso-AG aufnehmen. Aktuell hat sie 44 Mitglieder. Bis zum Alter von 35 Jahren ist man Juso.

Der Mitglieder-Verlust hat mit dem Bildungsgrad der Jungsozialisten zu tun. Nach dem Abitur ins Studium. Der Vorsitzende studiert immerhin in Bielefeld Politikwissenschaften und Soziologie. Sein Stellvertreter Pascal Kuhfus will nach dem Abi in Herford bleiben und Kommunalpolitik machen. Auf der Juso-Tagesordnung steht langfristig ein Verkehrsplan, in dem der Busverkehr besser auf die Bedürfnisse von Schülern und Azubis abgestimmt werden soll. Mittelfristig geht es um die Renovierung der Scaterbahn am VfL-Heim und um neue Tore auf dem Bolzplatz Maiwiese. An Wochenenden soll der Hof der Hauptschule Meierfeld für Jugendliche wieder geöffnet werden. Anwohner hatten sich erfolgreich über Lärm beklagt. Daraufhin hatten CDU und FDP das Verbot verhängen lassen. – Die Juso-AG setzt andere Schwerpunkte.

© 2010 Neue Westfälische
Herforder Kreisanzeiger, Donnerstag 11. Februar 2010

„Nicht bekehren – überzeugen“
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