Kein Kaffeekränzchen

Kein Kaffeekränzchen

Podiumsdiskussion LTW 2010 Wilhelm-Norman

Podiumsdiskussion der Landtagskandidaten im Wilhelm-Normann-Berufskolleg

VON MEIKO HASELHORST

Herford. Die Podiumsdiskussion im Wilhelm-Normann-Berufskolleg war für die Herforder Landtagskandidaten kein gemütliches Kaffeekränzchen. Das lag zum Einen daran, dass es keinen Kaffee gab, vor allem aber daran, dass die Schüler die Politiker nach anfänglicher Scheu gestern ordentlich in die Zange nahmen.

Bildung und Ausbildung waren für das junge Publikum die Topthemen. Ein Statement von Stephen Paul (FDP) kam gut an: „Wir verzichten auf Subventionen und plädieren für eine bessere Ausstattung der Bildungseinrichtungen.“ Punkten konnte auch Christian Dahm (SPD) mit seiner Aussage zur „zeitnahen Abschaffung von Studiengebühren“. Am Grünen Christian Meinhold („Die Lust am Lernen wird zu wenig entwickelt“) und dem CDU-Landtagsabgeordneten Chris Bollenbach („Nicht alle müssen Abitur machen“) schieden sich die Geister. Inge Höger (Die Linke) sorgte mit ihrem Ruf nach einer Klassenstärke von 15 Schülern für ein ungläubiges Raunen.

Spätestens, als eine junge Frau Chris Bollenbach vorwarf „lauter Sachen zu versprechen, die man gar nicht einhalten kann“, kam Stimmung auf. Jetzt wagte sich auch Marc Philipp Janz nach vorne: „Sie schmieren uns hier Honig um den Mund und hauen später mit dem Knüppel drauf. Was soll das?“ Einem weiteren jungen Mann, der die Gunst der Stunde nutzte, um seine eigenen politischen Ansichten zu streuen, nahm Moderatorin Miriam Söling schließlich das Mikro weg. Die Landtagskandidaten freuten sich nach eigenem Bekunden über die„lebhafte Beteiligung“.

Als die Diskussion so richtig in Gang kam, war sie auch schon wieder beendet. Sölings Hinweis, dass man ja „im Politik-Unterricht weitermachen könne“, wurde mit Murren hingenommen. Gemessen am Applaus durfte sich SPD-Kandidat Christian Dahm als Sieger der Veranstaltung fühlen. Schülerin Anna Gleich „fand ihn am besten, weil er nicht mit Zahlen und Versprechungen um sich warf“. Auch Marc Philipp Janz fand Dahm recht überzeugend. Wo er am 9. Mai seine Kreuzchen machen will, weiß er aber noch nicht. „Ich muss mir erstmal in Ruhe die Partei-Programme durchlesen.“

Kommentar: Die Sache mit der Eitelkeit

Die Idee einer Podiumsdiskussion ist laut wikipedia die, „dass die Teilnehmer ihre Meinung äußern, einander zuhören, diskutieren, gemeinsam einen Beitrag zum Thema leisten und so das Interesse der Zuhörer befriedigen. Meistens entstehe jedoch ein Wettstreit. Auch hinter Zuhörer-Fragen verstecke sich oft der Wunsch, einen eigenen „Experten“-Beitrag zu leisten, also eigentlich selbst auf dem Podium sitzen zu wollen. Beides war in der gestrigen Podiumsdiskussion zumindest in Ansätzen zu beobachten. (hazl)