WM 2010 – ZDF: „Innerer Reichsparteitag“

WM 2010 – ZDF: „Innerer Reichsparteitag“

Eine solche Formulierung ist völlig inakzeptabel. Daher hier ein Formbrief an das ZDF mit Bitte, diesen per twitter an @zdfonline zu schicken, auf twitter und facebook weiterzuleiten und selbst an das ZDF zu schicken. Ganz einfach könnt ihr euren Namen einsetzen.

Sehr geehrtes ZDF, sehr geehrte Frau Hohenstein,

auf ihrem Sender habe ich heute Abend das erste WM-Spiel Deutschlands 2010, nämlich gegen Australien gesehen.

Bis zu einem bestimmten Moment war dieses WM-Spiel ein großartiger Aufakt – bis Sie, Frau Hohenstein, mich und zahlreiche andere Zuschauerinnen und Zuschauer mit Ihrem menschenverachtenden Spruch zum deutschen Nationalspieler polnischer Herkunft Klose („Klose erlebt einen inneren Reichsparteitag“) schockiert haben. Dieser Spruch stellt einen Zusammenhang Kloses und der deutschen Nationalmannschaft, der WM 2010 mit dem Nationalsozialismus her, nach dessen Überwindung 1945 das deutsche Reich abgeschafft war.

Dieser Zusammenhang ist nicht akzeptabel, sowieso nicht, aber vor allem nicht, da Millionen weitere Menschen die Weltmeisterschaft bei Ihnen gesehen haben. Die WM 2010 fördert den internationalen und gemeinschaftlichen Zusammenhalt. Ihr Spruch stellt schon fast eine Verherrlichung des Nationalsozialismus dar und steht in keinem Zusammenhang – weder zu Klose und erst recht nicht zu dieser Fußball-Weltmeisterschaft. Ihr Spruch spaltet und diskriminiert.

Ich fordere Sie und das ZDF deshalb, auch im Namen aller weiteren international gesinnten Fußball-Zuschauerinnen und Zuschauer auf, sich von diesem Spruch und dem Nationalsozialismus zu distanzieren und klar zu stellen, dass dies eine massiv zu kritisierende Aussage war und diese zurückgenommen wird.

Mit freundlichen Grüßen,

[Dein Name]

Kontaktadressen (ZDF)

Quellen:

Artikel in Welt Online

Blogeintrag von Taner Ünalgan (Jusos Gelsenkirchen) (jedoch leicht sachlich verändert „polnischer Nationalspieler“ in „deutscher Nationalspieler polnischer Herkunft“ geändert, außerdem Rechtschreibung und Grammatik verbessert)

Zu den Kommentaren:

Es ist zwar richtig, dass es auch Reichsparteitage von anderen Parteien (SPD, Zentrum etc) gab. Jedoch hat der Ausspruch „das muss ja wie ein innerer Reichsparteitag für ihn gewesen sein“ die Bedeutung eines Befreiungsschlags, er stellt etwas da, was schon lange überfällig ist. Und da kommen mir nur die Parteitage der NSDAP in den Sinn, die die Aufgabe hatten einen Machtbeweis gegenüber den demokratischen Parteien im weimarer Parlament zu zeigen. Die Machtergreifung Hitlers war für NSDAP-Anhänger sicher auch ein Befreiungsschlag und lange überfällig. Der ZDF-Moderatorin war es sicherlich nicht bewusst, was für einen Vergleich sie da anstellt, eine Entschuldigung dafür zu fordern finde ich jedoch sehr richtig und wichtig! Außerdem zeigt die Entschuldigung des ZDFs auch, dass diese die massive Kritik der Zuschauer durchaus nachvollziehen können.

Redaktion

17 Kommentare

Matthias Veröffentlicht am10:31 pm - Jun 13, 2010

Ohjemine, meinst du nicht man sollte da nochmal die Rechtschreibprüfung rüberlaufen lassen?
Und wenn ich mich richtig erinnere, dann viel die Äußerung im heute-journal und das wird von Frau Slomka moderiert. Also ab in Keller und schämen!

Sebastian Veröffentlicht am10:52 pm - Jun 13, 2010

Hm ich habe das so aus einem anderen Blog übernommen. Rechtschreibung ist richtig, sachlich scheint das aber zu stimmen!

http://www.welt.de/fernsehen/article8032421/Mueller-Hohenstein-spricht-von-Reichsparteitag.html

Edit 1: Ok, ich hatte es nur überflogen, ich änder es mal ab…polnischer Nationalspieler stimmt ja nun auch nicht ganz.
Edit 2: So jetzt sollte es besser sein.

allowai Veröffentlicht am11:23 pm - Jun 13, 2010

Die Redewendung „Einen inneren Reichsparteitag haben“ ist mitnichten ‘Nazideutsch’. Es ist eine – wenn auch wenig gebräuchliche – Redewendung, die Genugtuung oder Schadenfreude meint. Alle die sich hier in Foren, Blogs und Twitter ‘not amused’ zeigen, sollten ihre Tastatur mal gegen ein ordentliches Wörterbuch austauschen und sich belesen. Hier eine Entschuldigung oder gar den Abtritt der Moderatorin zu verlangen ist einfach falsch verstandene ‘political correctness’ und zeugt von einem verkrampften Umgang mit unserer Geschichte. Zudem zeugt die ganze Aufregung von wirklich erschreckender Unwissenheit!

Daniel Ordás Veröffentlicht am11:33 pm - Jun 13, 2010

Liebe Genossen

Der Terminus „innerer Reichsparteitag“ ist explizit nicht von den Nazis. Die brauchten dass nicht, denn die hatten „öffentliche Reichsparteitage“.
Die ZDF-Moderatorin Katrin M… Mehr anzeigenüller-Hohenstein sagte im Zusammenhang mit dem Tor von Klose gegen Australien „der feierte seinen inneren Reichsparteitag“. Es dauerte wenige Sekunden, bis Twitter und die Blogs auf Blaulicht und Alarmsirene schalteten. Grundsätzlich ist die moderne Medienkontrolle als 5. Macht im Staat begrüssenswert, doch in diesem Fall haben sich jene geirrt, die der Moderatorin fehlendes Feingefühl oder faschistoides Gedankengut nachsagen wollten. Sie hat die Redensart genau richtig verwendet.
Die NSPAD feierte ihre Reichsparteitage mit Prunk und Gloria in Nürnberg. Die Andersdenkenden (SPD, Kommunisten, Zentrum…) hatten ab 1932 kaum mehr Gelegenheit ihre Meinung öffentlich kundzutun. So kam es, dass die Andersdenkenden, wenn eine Nazi „auf die Schnauze fiel“ und später als dass System unübersehbar zu zerbrechen begann, ihren „inneren Reichsparteitag“ feierten. Ein „innerer Reichsparteitag“ ist also eine Mischung aus Schadenfreude und Freude über späte Gerechtigkeit oder Genugtuung (Schicksalsgegebene Rache für Ungerechtigkeit die man ertragen musste).
Da Klose in den letzten Wochen oft kritisiert wurde und niemand mehr mit ihm rechnete, war das Tor für ihn ein „innerer Reichsparteitag“.
Die Redensart ist definitiv erklärungsbedürftig, trifft aber eine Gemütslage, für die es kaum einen treffenderen Ausdruck gibt.

ulf_der_freak Veröffentlicht am1:16 am - Jun 14, 2010

Auch die SPD hat mal Reichsparteitage abgehalten. http://yigg.it/7w71b

Werner Veröffentlicht am9:38 am - Jun 14, 2010

Frau Müller-Hohenstein meinte doch bestimmt die Reichsparteitage der SPD! Denn schließlich hat die Sozialdemokratie als älteste deutsche Partei bereits Reichsparteitage abgehalten, als es die NSDAP noch gar nicht gab. Übrigens wahren die Beschlüsse und Programme der SPD-Reichsparteitage durchaus sozialer und auch politisch linker, als die der heutigen Bundesparteitage vom Godesberger- bis zum Hamburger Parteitag.

Mike Veröffentlicht am10:23 am - Jun 14, 2010

lasst euch von einem genossen (seit 1983 dabei) sagen, dass es schon peinlich ist, wie ihr auf diesen zug aufspringt und euch damit auch zu kumpanen der springerpresse macht.

die äußerung mag sicherlich nicht 100% politisch korrekt sein, aber es ist eben eine feststehende redewendung.

@ Daniel Ordás: danke für die erklärung, woher diese redewendung kommt, die mir auch vorher schon geläufig war

nils dittrich Veröffentlicht am10:41 am - Jun 14, 2010

>>Matthias sagt:
13. Juni 2010 um 22:31
Ohjemine, meinst du nicht man sollte da nochmal die Rechtschreibprüfung rüberlaufen lassen?
Und wenn ich mich richtig erinnere, dann viel die Äußerung im heute-journal und das wird von Frau Slomka moderiert. Also ab in Keller und schämen!<>allowai sagt:
13. Juni 2010 um 23:23

Die Redewendung „Einen inneren Reichsparteitag haben“ ist mitnichten ‘Nazideutsch’. Es ist eine – wenn auch wenig gebräuchliche – Redewendung, die Genugtuung oder Schadenfreude meint. Alle die sich hier in Foren, Blogs und Twitter ‘not amused’ zeigen, sollten ihre Tastatur mal gegen ein ordentliches Wörterbuch austauschen und sich belesen. Hier eine Entschuldigung oder gar den Abtritt der Moderatorin zu verlangen ist einfach falsch verstandene ‘political correctness’ und zeugt von einem verkrampften Umgang mit unserer Geschichte. Zudem zeugt die ganze Aufregung von wirklich erschreckender Unwissenheit!<<

natürlöich ist die bezeichnung eines inneren reichsparteitages nazideutsch! schon goebbels neigte zu dieser formulierung. und sogenannte reichsparteitage gehören nun mal nicht in die formulierung eines fußballspieles! und es ist schon sehr bezeichnend für die heutige spd, wenn sich ihre jusos mehr über die rechtschreibung, als über die inhalte aufregen!

Eipa Veröffentlicht am1:14 pm - Jun 14, 2010

gefällt mir nicht.

Karl Veröffentlicht am1:23 pm - Jun 14, 2010

Die SPD hielt selbst auch schon Reichsparteitage z.B 8. – 11. MAI 1946
wurde in der Presse Deutschlandweit so bezeichnet. Diese Bezeichnung wurde jedoch bei dem gedruckten Protokoll von 1947 (s.o.) nicht verwandt.

also bitte nachdenken bevor ihr zu solchen dingern hier aufruft….

Gruss Karl

Sebastian Veröffentlicht am4:19 pm - Jun 14, 2010

Innerer Reichsparteitag bezeichnet umgangssprachlich ein „Gefühl tiefster Befriedigung oder Genugtuung“.[1] Innerer Gauparteitag wird laut Duden (1992) bedeutungsgleich verwendet.[2] Die Redewendung, welche der Sprache des Nationalsozialismus entstammt,[3] kann auch eine „private Zelebration rechtsradikalen Gedankenguts“[4] bedeuten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Innerer_Reichsparteitag

Es ist schon sehr zweifelhaft eine solche Formulierung bei einem Fußballspiel zu benutzen. Ich habe sie gestern das 1. Mal gehört, und damit stehe ich wohl nicht alleine da. Es hätte so viele bessere Formulierungen gegeben, wie z.B. „ein Befreiungsschlag“, daher muss ich mich schon sehr wundern, warum Frau Müller-Hohenstein gerade diese Formulierung benutzt.

Markus Veröffentlicht am10:05 am - Jun 15, 2010

Nur mal eben als Einwurf zu dem grade zitierten Wikipedia-Artikel zum „Inneren Reichsparteitag“ – Immer schön vorsichtig sein, wenn es um die Neutralität von Wikipedia geht! Ich finde es schon sehr interessant, dass der Artikel erst seit Montagmorgen, 10:11 Uhr überhaupt existiert, insbesondere also erst nach dem Fußballspiel und somit mit Sicherheit von der aktuellen Position geprägt.

Sebastian Veröffentlicht am8:04 pm - Jun 15, 2010

Es ist zwar richtig, dass es auch Reichsparteitage von anderen Parteien (SPD, Zentrum etc) gab. Jedoch hat der Ausspruch „das muss ja wie ein innerer Reichsparteitag für ihn gewesen sein“ die Bedeutung eines Befreiungsschlags, er stellt etwas da, was schon lange überfällig ist. Und da kommen mir nur die Parteitage der NSDAP in den Sinn, die die Aufgabe hatten einen Machtbeweis gegenüber den demokratischen Parteien im weimarer Parlament zu zeigen. Die Machtergreifung Hitlers war für NSDAP-Anhänger sicher auch ein Befreiungsschlag und lange überfällig. Der ZDF-Moderatorin war es sicherlich nicht bewusst, was für einen Vergleich sie da anstellt, eine Entschuldigung dafür zu fordern finde ich jedoch sehr richtig und wichtig! Außerdem zeigt die Entschuldigung des ZDFs auch, dass diese die massive Kritik der Zuschauer durchaus nachvollziehen können.

Fernando Veröffentlicht am3:19 am - Jun 16, 2010

Liebe Jusos, das war nix. Wie Daniel Ordas bereits schrieb, hat dieser Ausdruck eine andere Bedeutung, als die, die ihr und Taner Ü. hineinskandalisieren wolltet. Das sieht auch Horst-Dieter Schlosser so:

http://www.mdr.de/nachrichten/7412095.html

„Der Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst-Dieter Schlosser hat die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein in Schutz genommen. Der Vorsitzende der Jury, die jährlich das „Unwort des Jahres“ bestimmt, sagte am Montag bei MDR SPUTNIK, die Formulierung „innerer Reichsparteitag“ sei schon während der NS-Diktatur ironisch gebraucht worden.“

Also, fahrt den Empörungslevel wieder runter und recherchiert bitte das nächste Mal BEVOR eine solche „Mini-Kampagne“ vom Zaun gebrochen wird, die letztlich nur peinlich für ihre Initiatoren ist.

Oder, um den Urheber des ganzen zu zitieren:
„Ich persönlich würde mich nur noch mehr freuen, wenn solche Vorfälle in der Zukunft nicht mehr vorkämen.“

http://taners.posterous.com/mini-kampagne-ein-erfolg

Sebastian Veröffentlicht am6:35 pm - Jun 17, 2010

Hallo Fernando,

man kann in der Diskussion sicherlich die Meinung vertreten, dass die Reaktion übertrieben war. Frau Hohenstein wird diesen Ausdruck in aller Euphorie, die ich durchaus nachvollziehen kann, benutzt haben. Sie schien sich nicht im Klaren zu sein, welchen Ursprung diese Formulierung hat. Mit ihrer Entschuldigung hat sich das Thema für mich jedoch erledigt.

Die Formulierung war in jedem Fall unpassend. Ich habe sie an diesem Abend zum ersten Mal überhaupt gehört und mich zunächst sehr gewundert. Nach kurzer Recherche im Internet fand ich die Formulierung sehr unpassend; es war & ist mir auch heute noch ein Rätsel, warum Frau Hohenstein gerade diese Formulierung gewählt hat. Für mich persönlich hat Sie jedenfalls – ganz egal ob die Formulierung geschichtlich auch ironisch verwand wurde – einen unschönes Gefühl hervorgerufen. Es sicherlich kein furchtbarer Skandal für den Frau Hohenstein entlassen werden müsste, jedoch hat Ihre Formulierung viele Zuschauer verwundert, verärgert und ggf. auch entsetzt. Eine Entschuldigung für einen so umstrittenen Ausdruck zu fordern, dass finde ich richtig!

Inhaltlich möchte ich außerdem noch auf meinen vorausgegangenen Kommentar verweisen. (http://jusosherford.de/?p=1942&cpage=1#comment-161)

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass auch SportmoderatorInnen diesbezüglich auf ihre Wortwahl achten. Gerade bei internationalen Veranstaltungen, wie der Fußballweltmeisterschaft, können missverständliche Formulierungen, schnell für Ärger sorgen.

Nun sollten wir die Diskussion jedoch langsam beenden, dass nächste Spiel der Deutschen Elf steht an. Ich werde lhnen auf jeden fall morgen die Daumen (vermutlich sogar im Deutschlandtrikot!) drücken!

Mit freundlichen Grüßen,

Sebastian

Alfred Fahr Veröffentlicht am7:08 pm - Jun 19, 2010

Diese Diskussion zeigt, das die Kombination aus deutscher Vergangenheitsbewältigungshysterie und Internetgeschwindigkeit umwerfend ist.
Zumindest haben einige den Ausdruck „innerer Reichsparteitag“ zum ersten Mal wahrgenommen und jetzt dank Herrn Schlosser auch hoffentlich richtig eingeordnet: SATIRISCH!! Aber das fällt den Deutschen extrem schwer, besonders den besonders (Anmkerkung der Redaktion: Beleidigung entfernt )hier.
Was macht ihr eigentlich, wenn euch ein Mann mit Schäferhund begegnet? Wer äh – hatte gleich einen Schäferhund?

Sebastian Veröffentlicht am2:14 pm - Jun 20, 2010

Sehr geehrter Herr Fahr,

es ist bereits genau erklärt worden, Warum ich (und viele weitere Fernsehzuschauer) die Formulierung nicht akzeptieren konnten. Eine satirische Benutzung kann ich des weiteren auch nicht feststellen.
Anstatt hier mit Beleidigungen um sich zu werfen, möchteich Sie bitten, sich in etwas mehr Tolleranz zu üben und den Respekt gegenüber Meinungen anderer zu wahren.

Mit freundlichen Grüßen,

Sebastian