Bildungsstreik

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Schüler setzten Zeichen: Mit mehr als 400 Teilnehmern fiel die Demonstration zum bundesweiten Bildungsstreik auf dem Neuen Markt größer als erwartet aus. Die Protestkundgebung in der Innenstadt verlief bis auf einen kleinen Zwischenfall friedlich. FOTOS: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Protest gegen das Bildungssystem

400 Schüler aus dem Kreis Herford folgten gestern dem Aufruf zum „Bildungsstreik“

VON THOMAS HAGEN

Herford. Mit Trillerpfeifen, Hupen, Schnarren und Transparenten machten gestern 400 Schüler aus Herford und Umgebung ihrem Unmut über das deutsche Bildungssystem auch in Herford Luft. Die Androhung eines Eintrags wegen unentschuldigten Fehlens hatte sie nicht von der Teilnahme am bundesweiten Bildungsstreik abgehalten.

Schüler von Gesamt-, Real- und Hauptschulen sowie Berufskollegs und Gymnasien waren dem Aufruf der Bezirksschülervertretung, der Juso-AG, der Linksjugend und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf den Neuen Markt gefolgt. Erst zwei Tage zuvor hatten die Jusos die Organisation des Protests von der Schülervertretung übernommen und die Veranstaltung genehmigen lassen. Eröffnungsredner Julian Frohloff, Ratskandidat der SPD, formulierte die Hauptforderungen: Abschaffung der Kopfnoten, Rücknahme des „Turbo-Abiturs“ nach 12 Jahren, Rücknahme der zentralen Abschlussprüfungen und der Studiengebühren. Frohloff warf der Landesregierung vor, durch die Reformen im Bildungsbereich ein System des Aussortierens geschaffen zu haben. „Wir brauchen ein System, das jeden Schüler nach seiner Leistung fördert und fordert. Wir brauchen jetzt die Gemeinschaftsschule, in der länger gemeinsam unterrichtet wird, kleinere Klassen sowie mehr und besser ausgebildete Lehrer.“

Pascal Kuhfus, Schülersprecher und Friedrichs-Gymnasiast, sagte: „Wir sind enttäuscht, wie die Landesregierung mit unserer Zukunft umgeht.“ Schüler würden heute unter Überlastung und Stress durch das Turbo-Abi leiden, nur um der Industrie schneller zur Verfügung zu stehen. Studiengebühren erschwerten die Chancengleichheit: „Wer unten ist, soll auch dort bleiben“, sei das Credo der Politik in Düsseldorf. „Wir wollen eine andere Bildungspolitik“, sagte der Schülersprecher.

Auch Christa Jahnke-Horstmann, SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat, unterstützte die Forderungen: „Die Landesregierung ist unglaubwürdig. Sie hat ihre Versprechen nach mehr Lehrern nicht eingehalten.“ Viele Schüler nannten Beispiele, wie sie von den schwarz-gelben Bildungsreformen beeinträchtigt würden. „Kopfnoten sind Unsinn, weil die meisten Lehrer uns gar nicht gut genug kennen, um uns zu beurteilen“, fand Pascal Horstmann von der Erich-Kästner-Gesamtschule in Bünde. „Wir brauchen ein System wie in Norwegen mit kleinen Klassen“, sagte Hatip Celik von der Olof-Palme-Gesamtschule in Hiddenhausen. Laura Stebin, frischgebackene Abiturientin von der Gesamtschule Friedenstal: „Ich finde es toll, dass sich so viele Schüler wieder politisch engagieren.“

© 2009 Neue Westfälische

Herforder Kreisanzeiger, Donnerstag 18. Juni 2009

Hier sind dann die Reden unserer beiden Redner. Pascal Kuhfus als Organisator und Mitglied der Juso-AG Herford und Julian Frohloff für die SPD-Herford und die Jusos Herford.

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