Jugendliche Politiker diskutieren mit Erstwählern -Erstwählerforen

Jugendliche Politiker diskutieren mit Erstwählern -Erstwählerforen

Erstwählerforen

Junge Politik: (v.l.) Kevin Köhler (19), David Heuser (17), Julian Frohloff (20) und Florian Dowe (22) stellten sich allesamt gut informiert den Fragen des Publikums und vertraten ihre Positionen mit klaren Argumenten. FOTO: HEITHOLT

Wenig Resonanz beim Forum im Friedrichs-Gymnasium / FDP fehlte unentschuldigt

VON ULRIKE HEITHOLT

Herford. Wer die Wahl hat, sollte wissen, zwischen was er sich entscheiden kann. Um gerade Erstwähler zu informieren, luden die Herforder Parteijugenden der SPD, CDU, FDP und Linke am Freitag zu einem Forum ins Friedrichs-Gymnasium ein.

Die Jungen Liberalen schwänzten allerdings, und ebenso nutzten die meisten potenziellen Erstwähler den freien Nachmittag anderweitig. Nur rund zwanzig Schüler fanden den Weg in die Aula. Sie waren dafür umso interessierter.

Die erste Frage galt der Schulpolitik: dreigliedriges Schulsystem oder Einheitsschule’?

Die Positionen waren klar. Kevin Köhler (Linksjugend) favorisierte die Einheitsschule, sie biete die besten Förderbedingungen. Die aktuelle frühe Separierung dagegen benachteilige besonders Kinder mit Migrationshintergrund.

David Heuser und Julian Frohloff von der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD, kurz Jusos, bevorzugten ebenfalls eine einheitliche Schulform, sie ermögliche eine individuelle Förderung.

Das derzeitige System sei zu wenig durchlässig, der Aufstieg in eine höhere Schulform sei schwieriger und seltener als der Abstieg. Florian Dowe als Vertreter der Jungen Union verteidigte dagegen die Dreigliedrigkeit, jede Schulform habe ihre spezifische Stärke, die es zu erhalten gelte: Gymnasien etwa auf dem wissenschaftlichen Gebiet, Hauptschulen dagegen im handwerklichen Bereich. Während Dowe einerseits bedauerte, dass nur noch wenige Eltern ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen würden, betonte er andererseits vor allem den Bildungsauftrag der Schulen. Die drei anderen dagegen stellten die erzieherischen Aufgaben in den Vordergrund, die oft zu Hause nicht mehr geleistet werden könnten.

Auch beim Thema Kopfnoten blieb das Meinungsverhältnis bestehen. Dowe sah in ihnen vor allem gute Anhaltspunkte für künftige Arbeitgeber, Bewerber über ihre fachlichen Leistungen hinaus zu beurteilen. Köhler, Heuser und Frohloff lehnten die Kopfnoten strikt ab. Eine individuelle Beurteilung sei technisch nicht möglich, weshalb die Schulen zumeist einheitliche Noten vergeben würden. Die Vergleichbarkeit sei so nicht gegeben, zudem würde jede Schule anders vorgehen: Die einen verteilten etwa durchgängig die Note „gut“, andere „sehr gut“. Aus dem Publikum gab es breite Unterstützung der Position.

Ein Schüler outete sich: „Ich komme oft zu spät, habe nicht immer die Hausaufgaben und störe schon mal den Unterricht – trotzdem sind meine Kopfnoten ’gut’.“ Auch wenn spätestens die Praxis berechtigte Zweifel am Sinn der Noten offenbarte, knickte Dowe nicht ein. „Der Weg ist der richtige.“

Die Erstwähler blickten aber auch über den schulpolitischen Tellerrand hinaus. Neben Rezepten gegen die Weltwirtschaftskrise interessierten sie auch die Meinungen zum Gläsernen Bürger. Zwar tendierten die meisten Schüler offenbar in eine Richtung, wollten aber durchaus auch die Argumente für andere Meinungen hören und fragten gezielt nach. „Uns interessierte, welche Positionen die einzelnen Parteien vertreten“, erklärte ein Teilnehmer die Motivation der Schüler.

Das Fehlen der FDP und der Grünen irritierte daher einige. „Da fragt man sich, was sie uns damit bedeuten wollen.“ Zumindest die Grünen hatten sich entschuldigt: Sie sind in Herford nicht mit einer Jugendorganisation vertreten.