Jusos laden zu Podiumsdiskussion

Herford (wst). Eine gemeinsame Lösung des Nahost-Konfliktes haben die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, zu der die Juso-AG ins »Nil« eingeladen hatten, nicht gefunden. Zu groß waren die Meinungsverschiedenheiten, zu emotionsgeladen die Debatte.Nach knapp zwei Stunden hitziger Diskussion zwischen den Vertretern der palästinensischen und der jüdischen Gemeinde standen noch immer zu viele gegenseitige Vorwürfe und Beschuldigungen im Raum, war der Graben zwischen den Parteien noch nicht zu überbrücken. Ganz erfolglos blieb der Abend jedoch nicht, denn am Ende der Veranstaltung, die Juso-Sprecher Vahid Uyar und SPD-Ratskandidat Julian Frohloff leiteten, zeigte sich ein Hoffnungsschimmer: Vertreter beider Lager waren zu weiteren Gesprächen und dem Versuch einer Annäherung bereit.Wie verworren sich die Situation dem Außenstehenden darstellt, zeigte schon der Umstand, dass alleine Raif Hussein, der mit dem Herforder Yousef Taha die palästinensische Seite vertrat, die israelische Staatsbürgerschaft besitzt, während der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Harry Rothe, und Prof. Matitjahn Kellig, Dekan der Musikhochschule Detmold, deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sind. Bereits die Darstellung der Ursprünge des Konfliktes, um die die Jusos Harry Rothe gebeten hatten, barg Zündstoff. Lag die Verantwortung für den Exodus der Palästinenser im Jahr 1947 alleine auf arabischer Seite, wie Rothe betonte, oder war schon Israel verantwortlich? Auch die Feststellung Rothes, Israel sei die einzige Demokratie im Nahen Osten, stieß auf heftige Ablehnung. Im israelischen Parlament säßen mehr Faschisten als in jedem anderen Staat der Welt, so der Palästinenser Taha. Und mit Irgun und Hagana habe auch der israelische Staat seine Terrororganisationen.Auch die große Angst, die Mitglieder beider Lager verspürten und die die Vertreter der israelischen und der palästinensischen Seite in der Diskussion eindringlich beschrieben, verhinderte eine Annäherung: auf israelischer Seite die Angst vor Terroranschlägen, auf palästinensischer die Angst vor willkürlichen Verhaftungen und davor, Opfer militärischer Gewalt zu werden. Auch die Gruppe der sich für Frieden im Nahen Osten einsetzenden Deutschen, die unter anderen Pfarrer Berthold Keunecke und Clemens Niemann vertraten, wurden von Harry Rothe kritisiert.Und obwohl die Teilnehmer sehr emotional diskutierten, hörten sie am Ende auf Helga Hindemith, die ihnen ans Herz legte, nicht in ihren Lagern zu verharren, sondern den Dialog fortzuführen.

Artikel vom 19.02.2009

Hitzige Debatte über Nahen Osten
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