Jusos: „Julis verharmlosen Gefahren der Glücksspielsucht“

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Herford. Die Jusos Herford nehmen Bezug auf die Pressemitteilung der Jungen Liberalen vom 15.Juni über die geplante Bowlinganlage an der Goebenstraße.
Die Julis kritisierten, dass die Jungsozialisten zwar eine Bowlinganlage befürworten, sich jedoch gegen ein angeschlossenes Spielcasino aussprechen. Diese Position sei widersprüchlich. Wer gegen das Automatencasino sei, der verhindere auch eine Bowlinganlage.

„Dem ist nicht so!“, widerspricht Pascal Kuhfus vehement, „Es ist zwar richtig, dass der Osnabrücker Investor die Bowlinganlage nur mit angrenzendem Spielcasino bauen möchte. Jedoch können Bowlinganlagen auch ohne Casino gewinnbringend betrieben werden.“ Dies zeigten beispielsweise Bowlinganlagen in Bünde oder Bielefeld.

Der SPD-Nachwuchs sieht daher Stadt und Investor in der Pflicht in Verhandlungen zu treten. „Vielleicht kann die Stadt dem Investor ja auf eine andere Art entgegen kommen“, merkt Sebastian Christoffer an, „Wir wollen dem Investor keine Steine in den Weg legen, jedoch sehen wir ein weiteres Spielcasino als ethisch problematisch an.“ So dürfe man die Gefahr der Glücksspielsucht nicht unterschätzen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geht deutschlandweit von 100.000 Glücksspielsüchtigen aus. „Eine hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass die Süchtigen meist ihr gesamtes Vermögen verspielen.“, so Meshut Cakar.

Die Jungsozialisten sehen die lockere Haltung der FDP-Nachwuchsorganisation zum Thema Glücksspiel daher als sehr bedenklich an. So sei es zwar richtig, dass ein Casino für minderjährige Jugendliche nicht zugänglich ist, die Besucher einer Bowlinganlage seien jedoch bei Weitem nicht alle unter 18.

Die SPD-Jungpolitiker sehen hier marktradikale Tendenzen bei den Julis. So gehöre es in der sozialen Marktwirtschaft auch dazu, private Bauvorhaben aus ethischen Gründen zu verhindern, denn Politik – so betonen die Jusos – habe eine hohe gesellschaftliche Verantwortung.

Herford zu unattraktiv für junge Leute

Jugendverbände fordern Freizeitangebote ein

Der Herforder Stadtrat hat die Baupläne eines Osnabrücker Investors abgelehnt, der an der Goebenstraße eine Freizeitanlage bauen wollte. Vorgesehen war eine Bowlinganlage mit Spielcasino, Restaurant und Fitnessstudio.

Dies hat zu einer Diskussion unter den Jugendverbänden von FDP und SPD geführt. Sie weisen darauf hin, dass die Politiker etwas für junge Menschen in der Stadt tun müssen.
„Wenn wir wollen, dass sie in Herford wohnen bleiben und sich wohlfühlen, dann müssen wir auch etwas dafür tun“, so der Herforder JuLi-Sprecher Dennis Piccoli.

„Die Innenstadt hat nicht viel zu bieten. Herford hat wenig Freizeitmöglichkeiten, die von den Jugendlichen wirklich gewünscht werden. Wenn ein privater Investor eine Bowlingbahn eröffnen möchte, dann soll er das tun dürfen und nicht von der Politik Steine in den Weg gelegt bekommen.“

Auch der FDP-Jungpolitiker Chris Dimitrakopoulos fordert dies. Nach seiner Meinung muss sich Herford fit machen für die Zukunft. „Es kann nicht sein, dass viele Jugendliche nach Bielefeld oder in umliegende Städte fahren müssen, um ihre Freizeit zu gestalten und ihren Hobbys nachzugehen“, sagt er und bezogen auf das gescheiterte Investoren-Projekt:

„Herford darf sich solchen innovativen Projekten nicht entgegenstellen.“ Dimitrakopoulos fordert den Stadtrat auf, dies bei seinen zukünftigen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Das sehen die Jusos etwas anders: Ein Spielcasino sei nicht im Interesse von Kindern- und Jugendlichen. Die Herforder Jungsozialisten können sich jedoch dem Grundgedanken der Jungen Liberalen anschließen.

„Auch wir wünschen uns attraktivere Freizeitmöglichkeiten für Herford. Dazu zählt auch eine Bowlinganlage“, so Pascal Kuhfus, Vorsitzender der Jusos Herford.

Sebastian Christoffer, stellvertretender Vorsitzender der Jusos Herford ergänzt: „Hier kann man ein attraktives Freizeitangebot für Jugendliche schaffen, ohne den städtischen Haushalt belasten zu müssen.“

Das Votum der Herforder Kommunalpolitiker können die Jusos jedoch gut verstehen: „Glücksspielsucht stellt ein großes Problem da. Diesen Trend wollen wir nicht weiter stärken“, sagt Kuhfus.

Für eine Bowlingbahn mit Restaurant und Fitnessstudio wollen sich die Jusos – im Interesse der Herforder Jugend – aber weiter einsetzen.

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