Loki Schmidt ist tot: „Eine außergewöhnliche Persönlichkeit“

Foto: Wikipedia (Creative Commons)

Loki Schmidt ist tot. Die Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt starb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 91 Jahren in Hamburg. „Vielen in unserem Land wurde sie wegen ihrer liebenswürdigen, menschlichen Art und ihrer beeindruckenden Haltung Vorbild“, sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel.

In der Nacht zu Donnerstag starb eine „außergewöhnliche, eigenständige Persönlichkeit“, wie es der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel formulierte, als am Nachmittag der Tod von Loki Schmidt öffentlich wurde. „Wir denken mit Dankbarkeit an eine überzeugte Sozialdemokratin, die sich mit ihrer Arbeit und ihrem unverwechselbarem Stil um unser Land verdient gemacht hat. Wir sind in diesen Stunden mit unseren Herzen und Gedanken bei ihrem Ehemann Helmut Schmidt und ihrer Tochter Susanne Schmidt.“

Nicht nur als Ehefrau von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, mit dem sie fast 70 Jahre verheiratet war, war Loki Schmidt bekanntgeworden. Sie war auch Umweltschützerin und Autorin. Seit 1980 kürte sie die Blume des Jahres.

Die engagierte Naturschützerin und Stifterin setzte sich vor allem für gefährdete Pflanzen ein und kürte seit 1980 die „Blume des Jahres“. Loki Schmidt erhielt zahlreiche Auszeichnungen. So wurde sie unter anderem Hamburger Ehrenbürgerin, Ehrensenatorin der Universität und erhielt auch die Ehrendoktorwürde.

Loki Schmidt lebte bis zuletzt mit ihrem Mann in ihrem ausgebauten Reihenhaus in Hamburg-Langenhorn. Dort war die 91-Jährige Ende September 2010 auch gestürzt und hatte sich den Fuß gebrochen. Nach einer Operation entließen die Ärzte sie Anfang Oktober nach Hause, weil sie sich dort besser erholen könne als im Krankenhaus.

Als Tochter eines Werftarbeiters kam Hannelore Glaser 1919 in Hamburg zur Welt und nannte sich selbst bald «Loki». Nach dem Abitur musste sie 1937 zunächst zum Arbeitsdienst. Ihr Wunsch, Biologin zu werden, scheiterte an den Studiengebühren. Später studierte sie Pädagogik und war bis 1972 Lehrerin. 1942 heiratete sie Helmut Schmidt, mit dem sie schon seit ihrer Schulzeit befreundet war. Im Mai 1944 wurde der Sohn Helmut Walter geboren, der noch im Säuglingsalter starb. Drei Jahre später folgte die Geburt von Tochter Susanne.

Die Repräsentationspflichten einer Kanzlergattin in Bonn übernahm die Hamburgerin 1974 mit gemischten Gefühlen. Auch damals ging sie lieber in den Botanischen Garten als auf Empfänge.

Loki Schmidt liebte das Reisen: In den 70er und 80er Jahren begleitete sie junge Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft auf ihren abenteuerlichen Expeditionen in die entlegensten Winkel der Welt. Daran dachte sie im später gern zurück, wenn sie mit den Gebrechen des Alters haderte: „Wat hebbt wi nich allns sehn“, sagte sie im schönsten Hamburger Platt zu Reinhold Beckmann für das Buch „Erzähl doch mal von früher“.

Einen besonderen Blick hatte die Frau des Altkanzlers aber nicht nur für seltene Pflanzen. Schon lange vor den „Grünen“ machte sie sich für den Umweltschutz allgemein stark. Dabei half der „Botanikerin aus Leidenschaft“ natürlich der Umstand, die Frau von Helmut Schmidt zu sein, wie sie selbst sagte.

In ihrem 90. Lebensjahr wurde „Loki“ mit ihren Lebenserinnerungen „Erzähl doch mal von früher“ noch zur Bestsellerautorin, im Oktober 2010 erschien ihr Buch „Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde“.

„Als Gattin des Bundeskanzlers Helmut Schmidt hat sie mit ihrer unangestrengten Noblesse die Herzen der Menschen im In- und Ausland gewonnen“, erinnerte Gabriel. „Als leidenschaftliche Naturschützerin hat sie sich bleibende Verdienste um den Erhalt unserer Umwelt erworben.“ Vielen in unserem Land wurde sie wegen ihrer liebenswürdigen, menschlichen Art und ihrer beeindruckenden Haltung Vorbild.

Im Berliner Willy-Brandt-Haus liegt ab Freitag zwischen 12 und 18 Uhr öffentlich ein Kondolenzbuch aus (außer Montags).

Das Onlinekondolenzbuch der SPD Landesorganisation Hamburg finden Sie unter http://www.spd-hamburg.de/cms/3045/?no_cache=1.

Text: SPD.de

Trauer um Gerhard Klippstein

Der Altbürgermeister und Hochschulrektor starb in der Silvesternacht

VON HARTMUT BRAUN

ErstarbnachschwererKrankheit: Altbürgermeister Professor Dr. Gerhard Klippstein wurde nur 64 Jahre alt. FOTO:DUNKEL
Er starb nach schwerer Krankheit: Altbürgermeister Professor Dr. Gerhard Klippstein wurde nur 64 Jahre alt. FOTO:DUNKEL

Herford. Als Fachleiter und Schulleiter war er Vordenker des kaufmännischen Bildungswesens. Als Bürgermeister betrieb er die Modernisierung seiner Stadt. Als Gründungsrektor baute er mit großem Erfolg eine Privathochschule auf. Im Ehrenamt stellte er sich dem Sport zur Verfügung. Doch ein Ruhestand blieb ihm verwehrt: Nach schwerer Krankheit ist Professor Dr. Gerhard Klippstein gestorben.

Das Ende kam nach kurzer schwerer Krankheit an Silvester in einem Bielefelder Krankenhaus im Alter von 64 Jahren – zwei Jahre nach dem Tod seiner geliebten Frau Ellen.

Er hatte nach langer Trauer noch einmal geheiratet, sich neue berufliche und private Ziele gesetzt – ein 64-Jähriger, dessen freundliche Zuwendung und menschliche Wärme so geschätzt waren wie sein soziales Empfinden und die Fülle seiner Erfahrungen und Kontakte, die er freigiebig und selbstlos zur Verfügung stellte.

In kleinen Verhältnissen in Mannheim aufgewachsen, hatte der bekennende Fußballfan (des SV Waldhof) sich nach dem Abitur für ein wirtschaftswissenschaftlich-pädagogisches Studium und für die politische Mitarbeit in der SPD entschieden: 1970, ein Jahr nach der Wahl Willy Brandts zum Bundeskanzler, trat er in die Partei ein.

In Herford, wohin die Liebe den jungen Lehrer aus dem Badischen 1972 verschlug, wurden seine Stärken rasch erkannt. Die SPD wählte ihn 1975 zum Stadtverbandsvorsitzenden (er blieb es annähernd 20 Jahre) und schickte ihn im gleichen Jahr in den Stadtrat.

Die Schulaufsicht gewann ihn als Fachleiter sowie für Lehrplangestaltung und Lehrerausbildung. Viele sagten ihm eine Karriere in der Kultusbürokratie voraus.

Doch er entschied sich für die Kommunalpolitik. 1984 wählte die „rot-grüne“ Ratsmehrheit den 39-Jährigen zum Bürgermeister; fünf Jahre später wurde er von einer sozialliberalen Mehrheit im Amt bestätigt.

Längst hatte sich der sozialdemokratische Volkswirt auf dem Bürgermeisterstuhl als Mann des Ausgleichs bewährt, der die Verwaltung modernisierte, viel in die Innenstadt investierte und eine unauffällige, aber erfolgreiche Wirtschaftsförderung mit Schwerpunkt Bestandspflege betrieb. In seine Amtszeit fielen so unterschiedliche Projekte wie die Gründung der Gesamtschule, die Umgestaltung von Neuer Markt und Münsterkirchplatz und das Modell-Industriegebiet Heidsiek.

1994 wurde er der erste hauptamtliche Bürgermeister nach neuer Gemeindeordnung. Er war es, der das Zukunftsprojekt „Haus des Möbels“ auf den Weg brachte, aus dem das MARTa entstand.

Als die Wähler ihrem fachlich hoch geschätzten, aber nie populistischen Bürgermeister 1999 beim Erdrutschsieg der CDU die Wiederwahl verwehrten, war Klippstein gerade 54 Jahre alt. Doch er fand rasch eine neue Herausforderung, die ihn zu den pädagogischen Wurzeln seiner Laufbahn zurück führte: Auf Bitten ostwestfälischer Mittelständler übernahm er das Amt des Gründungsrektors der ostwestfälischen Fachhochschule des Mittelstands (FHM).

Für die FHM war er nach allgemeiner Ansicht mit seinen Kontakten, seiner Dynamik und seinen Erfahrungen ein Glücksfall. Es gelang ihm, die neue Hochschule in der Bildungslandschaft rasch zu etablieren. Auch als Lehrender war er hoch geschätzt.

Seiner Wahlheimat Herford blieb er auf dem sportlichen Sektor verbunden: Der Sportclub Herford (SCH) gewann ihn als Vorsitzenden. Auch der Arbeit des Kreissportbunds drückte er seinen Stempel auf (siehe Bericht im Lokalsport).

Es gibt viele Menschen, die Professor Klippstein viel zu verdanken haben.

DasWohlderStadtmehren: AlterspräsidentHermannMidding (Mitte, rechts Beigeordneter Dr.MaxWillebrand) vereidigtimStadtrat Klippsteinam4.November 1994 als ersten hauptamtlichen Bürgermeister.
Das Wohlder Stadt mehren: Alterspräsident Hermann Midding (Mitte, rechts Beigeordneter Dr. Max Willebrand) vereidigt im Stadtrat Klippstein am 4. November 1994 als ersten hauptamtlichen Bürgermeister.

NW 04.01.2010